Birte und der »Funke«
Jede Figur trägt Identifikationspotenzial, einen »Funken« in sich
Die tägliche Gute-Nacht-Geschichte und wie die tiefe Vorlesestimme meines Vaters die Figuren zum Leben erweckt hat, sind meine liebsten Kindheitserinnerungen. Ich konnte an der Art, wie er mit Betonung gelesen hat, spüren, dass ihn die Geschichte genauso in den Bann gezogen hatte wie mich. Als wäre ein Funke vom Buch auf uns übergesprungen, der uns verbunden hat.
Irgendwann war ich dem Vorlesealter entwachsen, aber das gemeinsame Eintauchen in Geschichten blieb. Wir haben uns gemeinsam Animationsfilme angesehen und ich habe meinem Vater die Harry-Potter-Bücher ausgeliehen. Er verschlang sie genauso begeistert wie ich – und stritt sich mit meiner Mutter darum, wer sie nach mir zuerst lesen durfte.
Wir alle liebten den Moment, in dem die Handlung uns fesselte, unser Herz schneller schlug und wir nicht wegsehen konnten, bis wir wussten, wie es ausgeht. Wir haben mitgelitten, weil wir uns mit den Figuren identifiziert haben; der Funke war übergesprungen.
Ich wollte verstehen, woher dieser Funke kommt.

Szenisches Denken, Einfühlungsvermögen, Teamarbeit

Also begab ich mich nach dem Abitur 2009 auf die Suche. Ich studierte zunächst Kommunikationsdesign an der HBK Braunschweig (2010) und wechselte schließlich die Universität und das Land, um Animation in Schottland zu studieren (2012).
Dort entdeckte ich, dass Animationsfilme von Anfang an ein klares Ziel haben: Sie sollen generationenübergreifend begeistern. Eine Geschichte für alle, die gemeinsam lachen, bangen und mitfühlen. Genau wie wir damals.
Ich spezialisierte mich 2014 mit einer Weiterbildung bei Aardman Animations auf 3D-Charakter-Animation und arbeite seither in dieser Rolle an Film- und Fernsehproduktionen. Dieser Beruf lehrte mich, szenisch zu denken, mich in Figuren hineinzuversetzen und dass Geschichten nicht alleine erzählt werden können. Es ist Teamarbeit.
Übrigens: Zurzeit schreibe ich an einem Kinderroman, in dem ich die Idee, dass Regenschirme Träume bringen und Albträume besiegt werden können, aufgreife. 2014 habe ich das bereits in meinem Abschlussanimationsfilm »Sandmen« zum Thema gemacht. Aber was soll ich sagen? Das Bild von einem Regenschirm, der wie eine Spinne läuft, lässt mich immer noch nicht los. Die Geschichte ist noch nicht auserzählt.
Ich liebe die Arbeit als Charakter-Animatorin und entdeckte 2023 eine zweite Leidenschaft, Geschichten zu erzählen:
Das Schreiben & Lektorieren
Mai 2025 habe ich die staatlich anerkannte Ausbildung zur freien Lektorin bei Lektorat Unker abgeschlossen. Dort lernte ich, Texte inhaltlich und sprachlich zu analysieren, zu strukturieren und zu verbessern – als professionelles Fundament neben meiner eigenen schriftstellerischen Erfahrung und meinem Gespür für lebendige Erzählweisen aus der Animationsarbeit. Seitdem arbeite ich für Verlage (z. B. Wunderhaus Verlag, maauwikids) und Selfpublisher.
Warum mir konstruktives Feedback als Lektorin so wichtig ist
Meine Tätigkeit als Lektorin für Kinder- und Jugendbücher entspringt dem Wunsch, meine Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit den Kreativen des Animationsfilms mit dem Schreiben zu verbinden.
Es spricht genau die doppelte, generationsübergreifende Zielgruppe an, die ich kenne und die mir am Herzen liegt. Außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung – als Charakter-Animatorin und Autorin – wie zermürbend hart und demotivierend Kritik sein kann. Gerade, wenn wir Figuren erschaffen, die aus unserem tiefsten Inneren kommen. Zu hören, dass etwas noch nicht rund ist, kann einfach sehr wehtun.
Deshalb liegt mein Fokus während des Lektorats auf der Figurenentwicklung, damit sie charaktertief sind, authentisch handeln, ihr Identifikationspotenzial ausschöpfen und der Funke von ihnen auf die Leser:innen überspringen kann. Und ich formuliere mein Feedback erklärend, damit es dich als Autor:in motiviert und dein Buch und dein Schreiben nachhaltig verbessert.
Näheres zu meiner Arbeitsweise findest du hier:

»Bitte noch mal!«
Diesen Satz höre ich heute nicht mehr von mir, wenn mein Vater vorliest, sondern von meiner Tochter. Er fällt, weil sie unsere Zweisamkeit genießt, ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt und sie eine Geschichte liebt. Wenn auch ich mich in einer Figur wiedererkenne, wenn mich die Botschaft der Geschichte mitten ins Herz trifft – dann berührt mich dieser Satz ganz besonders.
Es ist der Moment, in dem der Funke überspringt und ich weiß, wie viel Herzblut von den Autor:innen ins Buch geflossen ist.